„You’re mine“ … Loungekonzert mit Lola Marsh

Wenn ein Lied mich berührt

Ganz leise kam es an diesem frühen Mittwochmorgen durch den Raum zu mir geflogen, das so schöne kleine Liebeslied „You’re mine“ der jungen israelischen Band Lola Marsh. Es fasste mich an mit allen seinen Worten und Melodien, seinem Rhythmus. Ich saß mit meinem Kaffeebecher im Bett, noch leicht müde von der Nacht und gar nicht froh über den vor mir liegenden Tag. Der Platz neben mir war leer. „Sunday morning I wake up, You’re beside me….“ So der Anfang des Liedes und ich wusste, diese Worte ganz bald wieder zärtlich flüstern zu können.

Wann eigentlich berühren uns Lieder mit ihren oft simplen, klaren Texten und Melodien? Wenn sie ein Stück der eigenen Realität beschreiben? Wenn genau diese Worte gerade unser Leben sind, wenn die Musik tief unter unserer Haut vibriert? Ja, genau dann. Wenn ich plötzlich beginne zu weinen oder ausgelassen tanze. Wenn ich Gefühle in diesem Moment ganz tief spüren kann, Liebe und Hass, Vertrauen und Enttäuschung, Traurigkeit und Wut, Freude und Lebensmut.

In diesem Moment war pure Leichtigkeit und Ironie in mir, Liebe und Wärme. Ich legte den Kopf auf die angezogenen Knie und schlang meine Arme fest darum. Welche süßen Träume. Ich wollte sie noch ein bisschen anstacheln und bewahren, die so schönen Gefühle. Also schrieb ich eine Mail an radioeins, um mich für die zu verschenkenden Freikarten zum Loungekonzert zu bewerben. Die positive Antwort bekam ich gerade 12 Stunden vor dem Konzert, noch nicht zu spät, hoffte ich. Ich wünschte mir für diesen Abend einfach nur den Menschen an meiner Seite, an den ich dachte, als dieses kleine, schöne Lied zu mir kam. Ich wollte es mit ihm hören und die Leichtigkeit teilen.

Lola Marsh

Yael Shoshana Cohen ist die Sängerin der Band. Sie wirkt ein wenig wie ein junges Mädchen, sehr zart und schüchtern. Ihre Stimme und ihr Ausdruck hingegen kraftvoll, warm, weich, berührend, ungewöhnlich. Und so kommen ihre Lieder auch zu uns. Nachdenklich und doch selbstbewusst. Nie traurig. Eine Menge Humor ist dabei, manchmal ein wenig versteckt. Ihre Musiker sind immer intensiv dabei, sie leben jedes der Lieder, man sieht es so deutlich an der Mimik ihrer Gesichter. Gitarre, Ukulele und Synthesizer wechselten manchmal den Musiker oder der Musiker wechselte das Instrument. Yael sagte in einem Interview, sie hasse Definitionen, die ihre Musik in eine Schublade stecken wollen. Ich bin kein Musikexperte und erspare mir jeden Kommentar dazu. Der Mann neben mir ist es schon und tut es auch, zu Recht, wer kann, der soll und muss. Ich höre ihm gerne zu und lerne. Doch wünsche ich mir für ihn, dass auch er so ein wenig sich fallen lassen kann in einen kleinen Rausch von Gefühlen, eintauchen in Musik. Aber das ist vielleicht schwer mit einem Rucksack voll Fachwissen.

So wie mir die Musik noch Tage davor die Aussicht auf den faden vor mir liegenden Tag nehmen konnte und die Gedanken an einem Menschen in meinem Herzen mich froh stimmten, so gelang der Musik auch dieses Mal die Veränderung in mir. Habe ich mich zu Beginn noch erregt über die harten und in Reihe stehenden Plastikstühle, die versprochenen und nicht gereichten Getränke und Knabbereien (die jeweils zu zehnt in einem Plastikglas stehenden Salzstangen ignorierte ich), die unmotivierte Moderation von Herrn Brauer, so war mir das zum Schluss fast egal. Ich war glücklich, mein Seele war ohne Schmerz, in mir war tiefe Ruhe.

You`re mine

Jetzt, wo ich diese Erinnerung aufschreibe, ist die Realität eine andere. „Silently, I look at you and all the mirrors vanish from my mind“. Der Satz stimmt nicht mehr. Die Liebe in meinem Herzen lebt einsam und zutiefst verletzt. Einsamkeit und Kälte haben mich überfallen aus dem Hinterhalt. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass noch einmal das kleine Lied zu mir geflogen kommt und alles auf Anfang setzt. „You’re mine“. Auf das alles ein großes Missverständnis war, dass die Schatten gehen und ich wieder eine Heimat spüre.

Vielleicht errege ich mich ja solange einfach über das Veranstaltungsmanagement bei radioeins und spreche Empfehlungen aus… Oh, aufpassen: Zynismus ist kein guter Ratgeber in schlimmen Zeiten. Was dann?