Wenn es nebelgrau ist, wenn es keine Zeit mehr gibt

Wenn man nicht mehr ausgeht, rausgeht, tanzt zwischen Parkbänken und bestaunt die Straßenkünstler, ein Glas Wein trinkt oder mehr in einer der touristenbefreiten Bars … nein, dann liegt es nicht immer an der höheren Gewalt wie in diesen Tagen. Ich konnte es nicht mehr, für lange Zeit nicht mehr.

Ich lag vergraben unter der Decke und habe die nackte Wand angestarrt. Weiße Kittel und grüne Hosen schauten im Stundentakt nach dem Befinden und schrieben lange Berichte. Wenn ich dachte, dass ich mit mir was wagen konnte, dann bin ich hinausgegangen und habe einen lauwarmen Kaffee getrunken. Den Kaffee hatte ihn mir aus dem großen Edelstahlbehälter gezapft, der fast den ganzen Tag herumstand, seinen Stecker nutzlos hinter sich versteckt. Zum Kaffee gab es viele Zigaretten und Gedankenfetzen kreisten um die roten Locken. Immerzu jedoch kam ein Wind und riss sie fort, ich habe sie nie wieder gesehen.

Es kam Weihnachten und es kam kein Schnee. Es war Winter und es gab keine Sonne. Es waren Tage ohne Gefühl der Sinnhaftigkeit und ohne einen neuen Gedanken. Es war einfach nur leer. Jeden dieser Tage habe ich in der gleichen Monotonie verbracht. Nackte Wand, weiße Kittel, lauwarmer Kaffee und Zigaretten, Gedanken ohne Inhalt, eine gewisse Routine hatte das schon. Manchmal erwachte das Monster in seinem Lavasee, es brüllte und tobte und wollte die Felsen von den Bergen um sich herum sprengen. Ich habe es immer gewähren lassen, lange hielt seine Kraft nicht an und es fiel vollkommen erschöpft zurück in die rote Hitze.

Dann, irgendwann, Wochen später muss es gewesen sein, da spürte ich einen Regentropfen auf meinen Lippen. Ich habe ihn mit dem Finger verwischt und nach ihm jeden weiteren, der mein Gesicht benetzte bis es nass war wie nach einem langen Weinen. Sie liefen mir in den halboffenen Mund und sie schmeckten nach nichts und doch schienen sie so unendlich köstlich.

Mein Tag hat sich geändert, er trägt wieder Lachfältchen und atmet Sommerluft. Die Gedanken sind ruhig, können fliegen und wechseln von pastellrosa zu kunterbunt. Das kleine Monster schwimmt und spielt in seinem Lavasee und fühlt sich wohl. Still bin ich geblieben und wachsam. Keinen Zutritt darf es mehr geben für Unruhestifter, die sich mit ganzer Herrlichkeit und ungehemmt in meinem Reich tummeln und die ich nicht wage, zu vertreiben.

Was ich mitgenommen habe aus den nebeltrüben Tagen? Das Malen. Gedankenfreie Glücksmomente, die nur meinen Händen gehören und dem warmen Strang, der dann zu meinem Herzen gelangt.