Traumkleid – made by Reinberger Couture Fashion Week, 21. Januar 2015, Schinkelhalle Potsdam

Noch ist es das Gewusel wie vor jeder Show: angeregte Gespräche zwischen Freundinnen, Chats auf dem Handy mit denen, die nicht dabei sein können, Gäste aus der vorherigen Show mischen sich mit den Neuankömmlingen, Nippen am Glas mit dem Crémant, entspannt auf dem Boden hockende Fotografen, Stimmen aus dem Nichts, man möge doch bitte den weißen Laufsteg nicht betreten und gespanntes Schauen, wer denn in Reihe Eins sitzen darf. Über den Köpfen die erheiternden Klänge israelischer Schlagermusik. Es sind nicht viele bekannte Promi-Gesichter, in die man schaut. Zu Shows wie dieser kommen in der Hauptsache die privaten Kunden der Designer, also Menschen, die diese Mode mit voller Überzeugung an ihrem Körper tragen.

Warum bin ich hier? Angeregt durch den Flyer von Reinberger Couture, auf dem ein weißer und sehr schlichter Pullover aus einem Angora Wollgemisch mich beeindruckt hat. Schlicht, elegant, tragbar, zu jeder Tageszeit. Die auffällige Perlenkette mit dem schwarzen Anhänger von Rainer Wiencke tut ein Übriges. Das könnte zu mir passen, denke ich, es ist so ganz mein Stil, da wird bestimmt noch mehr davon gezeigt.

Die übergroßen Werbeeinspielungen für Reinberger Couture überzeugen mich: „The Chic Set, Hitchcock“ als Motto und die elegante Modezeichnung dazu oder das schwarze Rebhuhn mit der Halskette.

Als endlich das Licht ausgeht wechselt die Musik zu einer sehr schweren und etwas apokalyptischen Stimmung: Klänge von Damian Scholl, extra für diese Show komponiert. Oh, denke ich noch, das passt aber jetzt so gar nicht …. Doch dann kommen Sie, einzeln rechts und links hinter den weißen Wänden hervortretend: junge, schöne Frauen, die mit oft absoluter Leichtigkeit zur gegensätzlichen Musik eine Mode präsentieren, die einfach klar, elegant und leicht daherkommt. Es beginnt mit Ensembles für den Alltag aus braunem Tweed in Glencheck Bindung. Sehr körperbetont, sehr sexy, sehr tragbar.
Dann folgen Modelle in schwarz und weiß, darunter viele Kleider: für den eiligen Morgen in der Stadt, den Tag im hektischen Büroalltag, den schwatzhaften Nachmittag im Café und den entspannten Abend über den Dächern irgendwo in dieser Welt.

Eine erste hörbare Regung bei den Zuschauern gilt einem schwarzen Minikleid aus viel Spitze und die Beifallsstimmen erklingen immer und immer wieder bei den unterschiedlichsten Modellen.

Und dann und ganz unerwartet kommt er, mein absoluter Traum: ein langes, weichfallendes, nudefarbenes Kleid und mit kaum sichtbarer Perlenbestickung. Seine Trägerin gleitet nur so dahin, ästhetisch und hinreißend. Hunderte Gelegenheiten spiele ich in meinem Kopf durch, an denen ich mich in genau diesem Kleid zeigen möchte, einfach nur schön fühlen würde. Ich könnte bei der nächsten Hochzeit der Braut die Show stehlen, auch wenn das zugegebenermaßen nicht ganz fair wäre. Bei der nächsten Einladung zu einem eleganten Essen würde ich sicher immer wieder einen Grund finden, an den anderen Tischen vorbei zu rauschen. Und von dem Gefühl der Vorfreude, in diesem Kleid einfach nur einem Sonnenuntergang entgegenzulaufen, kann ich mich gar nicht mehr lösen.

Aber die Show geht weiter, auch wenn ich zugegebenermaßen etwas unkonzentriert bin. Immer wieder Beifall, der Blitz aus den zahllosen Handys und Kameras, Gemurmel um mich herum. Der krönende Abschluss ist ein Brautkleid, üppig geschmückt mit weißen Lilien. Und typisch für das Ende der Show ist der gemeinsame Lauf aller Models über den weißen Grund, vorausgehend das Brautkleid mit einem sehr Strahlenden Stefan Reinberger an seiner Seite.
Zu Recht sein Strahlen und der Beifall: Stefan Reinberger macht Mode für Frauen mit sehr viel Verstand für ebendiese. Schlicht aber raffiniert, elegant ohne übertrieben zu sein, alltagstauglich aber absolut auffällig. Und mehr wünsche ich mir als Frau nicht.

Später am Abend zeige ich Stefan Reinberger das Bild mit meinem Traumkleid und hänge vorsichtig den Satz an „Das ist ja dann wohl sicher nur für eher schlanke Frauen …. ?“ . Er setzt eine professionelle Miene auf und wenn er dann prüfend auf meine Figur schaut, dann eher unauffällig. Das ist kein Problem, meint er, das Kleid wird auf die Trägerin angepasst im Schnitt und in den Details. Bis es genau zu dieser Frau und Ihrem Leben passt. Das trifft natürlich auch auf alle seine anderen Modelle zu. Es gibt sie noch, die Frauenversteher, denke ich, bevor ich mit meinem Crémentglas etwas erschöpft aber sehr zufrieden auf die braune Ledercouch in der Lounge sinke. Und hier noch ein paar Details zum Traumkleid: Ein langes Perlenkleid aus einer modernen Technofaser, einem Gemisch aus Viscose, PES und Lycra in der Farbe Nude. Reinberger Couture, www.reinberger-couture.com