Taxi fahren …. mag ich besonders in Berlin

Während meiner Taxi Fahrten in den vergangenen Monaten habe so viel erlebt. Saß vollkommen zerstört, mit aufgeregt schlagendem Herz, hemmungslos heulend, wild rumknutschend oder auch erhaben besinnlich, im spannenden oder eher höflichen führendem Gespräch mit dem Taxifahrer.

Wie das Taxi so sein Fahrer?

Ein Taxi ist in der Regel im Privatbesitz des Fahrers, doch persönliches entdeckt man im Wagen selbst kaum. Manchmal gibt es da einen Schlüsselanhänger mit dem Bild der Kinder, oder man vermutet einen bestimmten Charakter entsprechend der eben beiseite gelegten Lektüre oder des dezent untermalenden Radiosenders. Ohne etwas behaupten zu wollen, so waren es bei den Zeitungen gefühlt die BILD, gefolgt vom Tagesspiegel. Bei den Radiosendern waren es entsprechend der Nationalität ein Sender mit viel arabischer Musik oder eben Radio Paloma oder Radio Paradiso. Wobei die arabische Musik in der Regel weniger entspannend für mich war als die Schmusesongs der beiden Sender.

Den Namen und das zugehörige Unternehmen kann man auf einem kleinen Schild lesen, meist postiert zwischen Handschuhfach und Lenkrad. Die Wagen sind in der Regel sauber und gepflegt, mal älter und mal nagelneu, mal mit mehr und mal mit weniger Werbung gepflastert.

Berliner Taxi Fahrer sind so interkulturell wie die Stadt selbst, im Punkto Freundlichkeit wurde ich persönlich selten enttäuscht, ich bin aber auch immer ausgesprochen nett. Manchmal nur hätte ich mir gewünscht, dass der Fahrer am Ende der Reise aus dem Wagen springt, auf meine Seite eilt und die Tür aufhält, das ist jedoch eher nie geschehen, es blieb beim Herausheben der Koffer aus dem Fond. Doch hier im verborgenen Bereich entdeckt man dann doch oft Privates, die Tasche des Fahrers oder ein Getränk, den letzten Einkauf ….

Taxi fahren, morgens um halb vier an einem gewöhnlichen Freitag

„Kaffee bei mir?“ sagt man eigentlich nicht so oft und doch kann es der Abschluss sein einer erinnernswert geprägten Nacht in Charlottenburg. Rund um den Savignyplatz das „Hefner“ mit seinem eher spröden Charme, das „Schwarze Kaffee“, wo man nur draußen rauchen kann und das „Bunnys“ mit herrlich typisch Berliner Publikum und allabendlich gereichten Schnittchen lagen hinter mir, ebenso überraschend festgestellte Gemeinsamkeiten zu Hörspielen um Paul Temple und seiner Frau Steve, Gläser über Gläser an Aperol Sprizz und schmerzend in High Heels steckende Füße waren präsent. „Sehr gern“ kommt also prompt die Antwort und ich denken mal besser nicht daran, dass Freitag ist und irgendwie ein Schreibtisch im vier Stunden auf mich wartet, auf die Kaffeebegleitung mit Sicherheit auch. „Laufen oder welche Bahn nehmen wir da?“ „Nix da, wir fahren Taxi!“ „OK …“ Unsicherheit. Will sie mich entführen, verführen, wo geht es hin? … Gut rauszuhören aus dem fragenden OK! Ich will einfach nur Kaffee trinken und die schöne Nacht stilvoll beenden und garantiert den Umweg und um diese Uhrzeit mit dem Nachtbus umgehen. „OK, Taxi, Dein Job“ sage ich und registriere die zögernd erhobene Hand auf der Kantstraße. Der Taxifahrer spürt die Unsicherheit auf beiden Seiten und erzählt auf dem kurzen Weg von weniger als 15 Minuten über Baustellen und Veränderungen im Charlottenburger Bezirk und die geplanten 30iger Zonen und wir hören höflich zu und geben ebenso höfliche Antworten. Innerlich mit den eigenen Gedanken beschäftigt und ein wenig aufgeregt. Ich war immer so ein wenig weg, ich war seit einer Woche nicht zu Hause, ich hatte meine Wohnung vermietet und fragte mich nach deren Zustand. Aber das hat er gut gemacht, der Taxifahrer, wirklich. Auch wenn wir kein Gesprächspartner waren mit all unseren eigenen Gedanken und Erwartungen und Befangenheiten. Nur so zum Schluss: Der Kaffee war gut, die Wohnung in einem guten Zustand und die Rechnung habe ich noch von der Steuer abgesetzt. OK, das Arbeiten am nachfolgenden Tag zog sich etwas zäh und am Abend bin ich mit dem Taxi heimgefahren, der Taxifahrer hat mich den Zustand erkennend und meinen Kopf auf der Brust ruhend und dahindämmernd auch gut nach Hause gebracht.

 Keine Lust auf Nahverkehr und nervige Touristen, an einem Freitag Nachmittag

Natürlich habe ich eine Umweltkarte und natürlich fahre ich so oft es geht mit Bus, Bahn oder U-Bahn. Doch ganz besonders nach einem langen Arbeitstag mit überlangen Telefonaten im Großraumbüro, nach Hundebalgereien unter meinem Schreibtisch (hatte ich erwähnt, das ich Hunde einfach nicht mag?), nach gefühlt hunderten von hastigen Querungen des Ganges hinter meinem Schreibtisch (er führt in die Küche) habe ich einfach keine Lust auf Gedrängel und den Klang aus den Ohrstöpseln hörgeschädigter Mitfahrer, auf plappernde Touristen und mit eindrucksvollen Geschichten werbende Zeitungsverkäufer und Geldsammler und erst recht nicht auf stehen müssen und Straßenmusikanten. An solchen Tagen fahre ich Taxi, genieße die Ruhe und die Musik aus dem Radio, manchmal auch ein Gespräch mit dem Taxifahrer, das kommt immer so ein bisschen auf meine Laune und das Thema an, dass der Taxifahrer anbietet. Ich bin zudem schneller zu Hause und kann  die ganze Berlin Wuselei entspannt aus dem Fenster beobachten. Ich erzähle es eher selten, vermeide so die unweigerlich folgenden und natürlich richtigen Hinweise zu Klimaschutz und Co. Als ich bei der letzten Fahrt anrief um mein baldiges Kommen anzukündigen und ehrlich auf die Frage „Wo bist Du denn?“ antwortete, gab es zwar nur ein kurzes Seufzen am anderen Ende, dies blieb jedoch vom Taxi Fahrer nicht unbemerkt. Der Quittungszettel mit einer gemalten Blume und einem fetten DANKE hängt noch heute an meiner Erinnerungswand.

Alternativen zum Taxi?

Ja, natürlich gibt es diese und ich habe sie alle probiert – UBER, Clever Shuttle, BERLkönig, sie alle fahren durch Berlin. Alle haben mich freundlich und nett an mein Ziel gebracht und günstiger waren sie in der Regel auch. Aber irgendwie … ich weiß nicht … ich fahre einfach gern Taxi.