Paris

Paris – wenige Tage in den Armen der Geliebten

Ich hatte tiefe Sehnsucht nach der lang im Herzen Gehegten und so fuhr ich für ein paar Tage nach Paris. Diese Stadt lässt sich auch im Winter ganz vortrefflich lieben. Manches wärmt man einfach auf und es ist noch immer vorzüglich. Einiges ist auch neu und man nimmt es an und hin.

82.077 Schritte durch Paris

Ich wollte es einfach einmal messen und habe meine Schrittzähler App eingestellt und eingeschaltet. Mehr als 25 km habe ich an meinem ersten Tag die Stadt durchstreift, insgesamt über 53 Kilometer an allen vier Tagen. Meter für Meter ein Stückchen Stadt, mancher Gang war die wehmütige Suche nach der vergangenen Zeit, neue Wege waren dabei und gelegentlich bin ich einen Weg doppelt gegangen. Nur zwei Mal habe ich mich an die absoluten Touristenstandorte gewagt: den Eiffelturm und Sacre Coer, ich war dort mit einer lieben Freundin verabredet.

Es gibt viele Probleme in der Stadt, wenn man die rosarote Brille abnimmt, dann sieht man auch bei der Geliebten die Wunden und offenen Stellen. Da sind die steigenden Zahlen der obdachlosen Menschen, ganze Familien leben mit ihren Kindern auf der Straße. Da ist der Smog, der mir den gesamten Montag über den Atem nimmt. Bereits die Fahrkartenautomaten wiesen auf den Umstand hin. Da ist auch die latente Feindlichkeit gegenüber Deutschen, die ich immer wieder wahrnehme. Sei es die absolute Weigerung, deutsch oder englisch mit mir zu kommunizieren oder auch das Versagen eines Platzes in einem Restaurant mit dem Hinweis „alles reserviert“. Die Schaufenster der Immobilienbüros hängen voll von Anzeigen schöner und weniger attraktiver Wohnungen, bei denen ich mich frage, wer sie sich wird leisten können und wollen. Da werden rund 1.700 € Kaltmiete aufgerufen für 48 qm nahe der Rue de Pigalle. Und ich erlebe die immer weiter fortschreitende Spaltung der Stadt, die Armenviertel im Norden und der „bessere“ Süden und Westen. „Put the phone away …!“ raunt mir eine dunkelhäutige Frau zu, als ich vom Gare du Nord zu meinem Hotel oberhalb der Rue Pigalle laufe. Echt, so schlimm?

Petit Dejeuner – ohne geht nicht

Traditionell muss man ein Petit Dejeuner haben. Also Kaffee, Orangensaft und Croissant. Auch wenn der eine oder andere glaubt, die Franzosen haben den Café au Lait gepachtet … falsch: die Franzosen lieben es eher schwarz und dunkel. Alles nur Klischee. Ich verzehre mein erstes Petit Dejeuner gleich nach meiner Ankunft und noch mit Tasche bepackt direkt neben dem Gare du Nord, es war gegen neun Uhr am Morgen. Ich war überglücklich, in den Fängen der geliebten Stadt zu hängen. Ich saß einfach nur da und beobachtete die schönen, stolzen Pariserinnen, die in dem kleinen Zelt vor dem Cafe saßen und redeten und rauchten und aßen (alles Weißbrot) und tranken (es war oft auch ein Pastis zum Kaffee) …. Nebenbei suchte ich auf dem Stadtplan den Weg zum Hotel, die UBahn wollte ich meiden, war ich doch kurz zuvor mit der irgendwie falsch gekauften Fahrkarte an den Barrieren gescheitert und wurde ganz panisch angesichts der Murrerei aus der Menschentraube hinter mir.

Frühstück im Hotel war am Ende ähnlich: auf die Frage nach Milch zum Kaffee sah ich ein resigniertes Augenaufschlagen, das Croissant schmeckte definitiv komplett anders und besser als in Deutschland und die Marmelade dazu war aus dem Plastikdöschen, der OSaft war frisch gepresst. Und ich bekam keinen dick aufgeblasenen Bauch, obwohl mir doch alles Weißmehl derarte Probleme bereitet.

Salon Maison & Objet

Es gab einen weiteren Grund für meine Reise, der Salon Maison & Objet öffnete traditionell seine Winterpforten. Als eine der wichtigsten europäischen Messen für Innendesign zeigt sie eine unglaublich sehenswerte Vielfalt an Trends und Ideen, an Firmen und Menschen. Der Künstler Klaus Dupont aus Berlin stellte dort auch in diesem Jahr seine skurrilen, phantasieanregenden Objekte aus, ich wollte die wie immer außergewöhnlich prachtvolle Wunderkammer sehen, alle zusammen zu besuchen.

Nach neuen Trends habe ich geschaut, aber für die kommende Saison so wirklich keinen identifizieren können. Da war viel Fell, aber eher so das bunt eingefärbte und ganz zottelige. Vieles war sehr klar, eher nordisch. Was ich erhofft hatte war eher das Opulente, das Üppige, die Dekadenz. Davon gab es leider nicht so viel.

Die Messe ist beheimatet im Parc d’Exposition, weit im Norden von Paris. Man kann den Zug erwischen, der ohne große Zwischenstopps vom Gare du Nord direkt hinfährt oder man steigt genau in den, der jeden Zwischenhalt bedient, mitten hindurch durch den afrikanischen Norden der schönen Stadt. Auf der Fahrt mit eben jenem Bummelzug sah ich mich eingezwängt zwischen dunkelhäutigen Gesichtern, müde und abgespannt von der Arbeit, schwer der Geruch nach Schweiß und Dreck. Doch schön und stolz die Gesichter.

Wir haben natürlich auch am Messestand die Pariser Leichtigkeit gelebt, mit Patebroten, Rotwein, Macarons … Aber auch hier wieder das bekannte Problem: selbst im Messerestaurant möchte man mein Englisch gelegentlich nicht verstehen, Deutsch schon mal gar nicht.

Paris schmeckt, oft gut, manchmal abartig schlecht

„Ich habe einen kleinen Chinesen gefunden, ganz nah an der Sorbonne. Heute Mittag war es total voll und es gibt auch weiße Servietten.“ so erzählte es Gundula und nahm ihren Mann Klaus Dupont und mich am Abend mit dahin. Zu dieser Zeit war das Restaurant leer, die Qualität des Essens unbeschreiblich schlecht, unsere Laune glücklicherweise nicht ebenso. Wir hatten zuvor eine langwierige Begegnung mit der Pariser Polizei, man hatte den Freunden während der Nacht Objekte vom Stand gestohlen und dieser Umstand machte eine Anzeige erforderlich.

Am Tag danach luden die Duponts in ein baskisches Restaurant, es kuschelte sich in eines der ganz alten Gebäudekomplexe direkt gegenüber Notre-Dame de Paris. Wir waren zu Siebt und es war ein so genussvoller, von Lachen und Scherzen, von guten Gesprächen geprägter Abend. Mein Gegenüber und ich hätten so gern den Chateau d’Iquem probiert, aber 520 € für eine Flasche Spritzigkeit finde ich zu viel der Dekadenz, auch in Paris vielleicht nicht angemessen.

Die schönsten Frauen

Die Frauen in Paris sind in jeden Fall anders als die Frauen in Berlin. Sie sind eleganter gekleidet, immer. Sie sind höchst attraktiv, und das, obwohl gefühlt jede von Ihnen raucht, und das nicht zu wenig. Unter den Vorzelten in den Restaurants und Bars, an den kleinen Tischchen vor den Restaurants und Bars, vor den Türen ihrer Büros, am offenen Fenster…. Ihre Bewegungen fließen geschmeidiger, wenn Sie ein Glas Champagner an ihre Lippen heben und selbst bei so profanen Dingen wie dem Kauf einer Fahrkarte für die Pariser Untergrundbahn. Darf ich sagen, dass ich mich jenen Frauen angehörig fühle, es mit gut geht zwischen ihnen? Ja, natürlich, ganz ohne Scheu.