Le Salon Maison & Objet, 3.-8. September, Paris

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann hätte ich gern eine zweite Wohnung: in Paris! Eigentlich bin ich doch wegen der bekannten Messe für Inneneinrichtung und Dekoration nach Paris gekommen, für noch mehr aufregende Einrichtungsideen für meinen Salon Élodie. Und dann habe ich mich in die Stadt verliebt. Verliebt in die alten Häuser mit den verzierten Geländern an ihren Balkonen, in die herbe Freundlichkeit der Kellner in den kleinen Bistros, die Eleganz der Menschen auf den Trottoirs, in die kleinen Geschäfte abseits der Boulevards, natürlich auch in die Boulevards und bekannten Wahrzeichen, mit jedem Blick fand ich liebenswertes. Ich wollte schon unter fadenscheinigen Entschuldigungen die beiden Messebesuchstage auf eine Mini-Stippvisite verkürzen und mich weiter durch die Geschichten flüsternden Straßen der Stadt treiben lassen…

Am Ende habe ich die beiden Tage auf dem Messegelände im Norden von Paris nicht bereut! Mich überschwemmte eine unglaubliche Lust und Vielfalt an Einrichtungsmöglichkeiten. Von schrecklich schrill bis rosa romantisch. Dazwischen gab es noch heimelig hell, kurios komisch und stahlhartes Grau. Ich begeisterte mich für die opulenten Gestaltungsideen eines deutschen Anbieters: großzügige Sofas, kräftig akzentuierte Tapeten und goldene Stahlregale, riesige Blumenbouquets und großformatige Porträts. Eine Hommage an den klassischen Salon der Berliner 30iger Jahre. Mich gruselte vor den bunten und billigen Dekorationen in Halle 6, hier fand ich auch manch wirklich überflüssiges wie noch eine Version gefilzter Untersetzter. Es soll keine Kritik sein, ich werte nur für mich selber. Die vielen nordischen Aussteller konnten mich nicht in ihrem Bann ziehen, aber mit ihrer klaren und zugleich warmen Ausstrahlung werden sie sicher viele Liebhaber finden. Spiegel in den unterschiedlichsten Ausführungen erregten meine Fantasie, besonders die aus einzelnen runden vergoldeten Teilen zusammengesetzten Kreationen. Ebenso erging es mir aus den goldenen oder silbernen Stahlsesseln in ihrem verspielten Design – sie würden mehr als einen Liebhaber finden im Salon Élodie. Modernste Technik gab es auch und so sah ich mich liegend in der Badewanne und umgeben von Musik, die direkt aus den Wänden kam. Und umgeben von so viel falschem Glitzer und echtem Handwerk und fantasievoller Träumerei und Kombinationen aus all diesen Dingen lies ich mich treiben, in Gedanken meinen Salon Élodie zur Vollendung bringend.

Eingeladen zur Messe hatte mich meine Freundin Gundula, die auf dem Stand ihres Mannes Klaus Dupont die wundersamen Kostbarkeiten aus seiner Werkstadt präsentierte. Getroffen habe ich auch alte Bekannte aus Berlin, Frau Hering und Frau Lehmann von Hering Berlin mit dem so unnachahmlich einfach edel meinen Frühstückstisch bereichernden Porzellan. Drei auf immer eigene Arte einfach tolle Frauen mit ihren unterschiedlichen Gedanken und Visionen.

Aber am Ende habe ich meinen persönlichen Favorit dann doch nicht auf der großen Messe gefunden, ich entdeckte ihn auf dem ausgedehnten und nicht so bekannten Flohmarkt an der Metrostation „Porte de Vanves“: eine Sonnenbrille aus den 70iger Jahren. Sie ist meine tägliche Erinnerung an Paris und ein kleines Versprechen, sie wieder mit dorthin zu nehmen.