Einstein Salon am 9. Juni 2015

Berlin, Unter den Linden, Café Einstein, es ist kurz vor 19 Uhr. In einem Nebenraum des Café drängen sich eng an eng auf den Stühlen und Bänke, rund um die wenigen Tische ca. 50-60 Gäste, mehr oder geheim bekannt, sowie ein Minihund in einer Tasche. Inmitten der Menschen dann ein Tisch mit zwei Stühlen: einer für den Gastgeber Gerald Uhlig-Romero und einer für seinen mit Spannung erwarteten Gast.
Was erwartet uns eigentlich im Einstein Salon? Sein Ziel und Anliegen lässt sich am besten mit den auf der Website zu lesenden Sätzen formulieren: „Mit dem Salon Einstein bietet Gerald Uhlig-Romero seit Anfang 2013 einen Rahmen für literarisch-wissenschaftlich-philosophische „Gespräche mit interessanten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die gesellschaftsrelevante, aktuelle Themen in angenehmer Kaffeehaus-Atmosphäre erörtern.“ Und heute nun also Nico Hofmann, deutscher Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor. Für mich in bester Erinnerung mit der Verfilmung „Der Turm“ des gleichnamigen Romans von Uwe Tellkamp.

Soweit, so gut, das alles erläutert der Salonherr gleich zu Beginn auch noch einmal. Er ist sehr aufgeregt und sehr erfreut, Nico Hoffmann zu treffen, das merkt man ihm an. Ganz anders als bei der vorangegangenen Begegnung mit Eckhardt von Hirschhausen, mit dem er so gar nicht warm werden wollte. Ich habe darüber berichtet. Am Ende wird er zu Nico Hoffmann sagen“ .. das war ein sehr offenes und direktes Gespräch, Sie sind keinen Fragen ausgewichen.“

Immer interessant ist es, einen so umtriebigen Mann wie eben Nico Hoffmann auch einmal ein paar andere Fragen beantworten zu hören, dazu ein wenig Plauderei aus seiner Jugend, die Prägung durch eine überstarke Mutter und einen klugen Vater, die Anfänge seiner Karriere. Er ist locker, kommt sympathisch rüber, ist offen in seinen Antworten und sagt Sätze, die wohlformuliert und durchdacht und ganz sicher schon öfter gesagt sind. Die Frage „Was mögen Sie und was mögen Sie nicht“ erfährt eine interessante Antwort: Familie und Liebe im klassischen Sinn mag Nico Hoffmann nicht, sie haben nicht funktioniert. Seine Familie ist sein Beruf und zu seinen Schauspielern entwickelt er „Liebesbeziehungen“, das ist wichtig für ihn. Was er nicht mag ist „Stress, der durch die Eitelkeit anderer entsteht und daraus folgernd das Dressieren der Eitelkeiten anderer“. Da muss man sicher eine Weile nachdenken über den Satz, aber er erklärt es dann auch sehr anschaulich an dem bevorstehenden Essen in New York, das eigentlich nur ganz klein und entspannt sein sollte und in das sich dann immer mehr Menschen drängelten, die meinten dann unbedingt dabei sein zu müssen ….. Aber auch interessant zu wissen, dass auch ein Mann wie Nico Hofmann nicht einfach mal „Nein“ sagen kann.

Worauf er stolz ist: dass er etwas mit seinen Filmen bewegen konnte. Er ist stolz auf Menschen, die etwas erreichten und an die er von Anfang an glaubte. In diesem Moment merkt man den kleinen Pathos in seiner Stimme, eine schöne Erregung an diesem durchplanten Mann.

Viel spricht er über den Film über Franz Beckenbauer, der im September 2015 in die Kinos kommt. Er hat, so sagt er, eine ganz andere, eine sehr persönliche und herzliche Beziehung zu Franz Beckenbauer entwickeln können, abseits all der Fifa Skandale. An dieser Stelle hätte ich dann doch ganz gern einmal nachgefragt, ob man denn so die notwendige Distanz für eine objektive Darstellung behalten könne. Aber ich habe mich nicht getraut, so eine Frage stellt man vielleicht nicht.

Der Minihund hatte währenddessen seine schützende Tasche verlassen und es sich auf der Lederbank bequem gemacht. Der nebensitzenden Dame in hellblauer eng anliegender Hose verpasste er erst einmal einen haarigen Oberschenkel, Humor darüber hatte sie leider keinen.

Viel zu schnell verging die Stunde mit den Erzählungen über Menschen, die wichtig sind, Dinge, auf die man baut, Träume, die man noch hat und leider hat keiner der anderen Gäste sich am Ende zu einer Frage durchgerungen. Wahrscheinlich waren wir ehrfürchtig vor dem noch zu absolvierenden Programm des Nico Hofmann: heute Nacht noch ein Drehbuch lesen und dann ab zu seinen Terminen nach New York.

Es war in jedem Fall wert, 60 Minuten einem munteren, entspannten und heiteren Gespräch zwischen Gerald Uhlig-Romero und Nico Hofmann zu lauschen.

Ob ich auch mal eine meiner Katzen mitbringe? In einem himmelblauen Täschchen gar? Man möchte doch seinen Mitbewohnern auch einmal anderen Stoff zum Nachdenken geben als immer nur schnöde Selbstgespräche.

Einstein Salon im Café Einstein
Unter den Linden 42, 10117 Berlin
www.einsteinudl.de