Designmeile Berlin 2015 – einfach zu nett

Ich bin enttäuscht. Ja, zugegeben, ich bin kein Fan des Neuen Nordischen Design. Es kommt mir oft zu kühl daher, zu glatt, zu bewusst und mit aller Macht designt. Es gibt Ausnahmen, ohne Frage. Wenige dieser schönen Dinge konnte man auch heute abend im Stilwerk sehen. Die Präsentation war klar konzeptioniert, kein Schnickschnack, keine Drumherumgetue. Einzig die zu Lampen geadelten Fischkörper brachten ein wenig Spiel in die strenge Linie.

Doch meine eigentliche Enttäuschung war die so genannte Eröffnungsfeier der http://designmeile-berlin.de, des kleinen Jubiläums, denn wir schreiben immerhin Jahr 5 in deren Geschichte. Die Atmosphäre war klar, von Abständen geprägt, still: für mich ähnlich meinem Empfinden für Nordisches Design. Es war langweilig, eintönig, es gab nicht wie in den vergangenen Jahren die anregenden Gespräche zwischen den vielen Gästen, die kontroverse Diskussion über die Produkte, die interessierte Nachfrage von Unwissenden und Journalisten bei den Schaffenden. Ich vermisste diese kleine Aufgeregtheit die einen erfasst, wenn man etwas neues für sich entdeckt. Die Reden waren voll des Lobes über die 5 vergangenen Jahre und voll von detaillierter Dankbarkeit an alle Beteiligten. Die wenigen Objekte hatte man dann auch rasch begutachtet, und so verflog sich die auffallend kleine Gästeschar schnell hinaus in den Berliner Regen.

Serviert wurden im Übrigen „Nordic-Exotic-Drinks“. Nach der Ankündigung im Programmheft war ich sehr neugierig. Aber auch hier keine Freude: die Mischung aus Cola, Anisschnaps, Orangenscheibe und Eis war eigenwillig. Unkreativ dazu. Beschworen wurde ebenso die Zusammenarbeit mit der eben erst zu Ende gegangenen Berlin Food Week. Versprochen eine mehrteilige Eisskulptur der Künstlerin Tainá Guedes , „die Aspekte nordischer Ernährung, Kultur und Landschaft zu räumlichen Erzählungen komponiert“. Aha, das klingt nach Wissenserweiterung in einen heiteren Rahmen gepackt, vermutete ich. Ich habe es nicht wirklich verstanden. Aber es sah nett aus, wie der Wacholderzweig sich aus dem unter der umgebenden Wärme schmelzenden Eisblock herausschälte. Vielleicht sollte es den Frühling darstellen.

Zu meinem Glück hatte ich mit Gundula und Klaus Dupont nette Begleiter und als uns unsere Schritte und spannendere Themen hinwegtrieben, entdeckten wir dann noch das eine oder andere Sehenswerte Design auf unserem Weg durch die Etagen des Stilwerk. Etwas ansprechendes zum Trinken fanden wir da auch, sogar Häppchen gab es. Und das lies mich die in diesem Jahr fehlende Eröffnungstorte vermissen, im Jubiläumsjahr muss ich noch einmal anmerken.

Das kann nicht alles sein, dachte ich nach der Verabschiedung meiner Weggefährten und begab ich mich umgehend zum Bikini Berlin, dass neben der Präsentation ausgewählter nordischer Designobjekte auch  die Ausstellung BFF – Triebwerke – 100 Fotografen versprach. Die Designobjekte waren allesamt nett und hübsch und wirkungsvoll von motivierten jungen Menschen zum Verkauf präsentiert. Schön, also weiter in die zweite Etage ….

Und hier eine Ausstellung, die mir dann wirklich gefallen hat. Kraftvolle Bilder. Unglaublich! Beeindruckend! Aber genau heute habe ich einmal keine Lust, über das Sehenswerte zu schreiben ….. Doch für alle, die es unbedingst auch sehen wollen:

8. Oktober – 7. November 2015 in Berlin
Bikini Berlin, Mo. bis Sa. von 10 bis 20 Uhr, www.triebwerk.bff.de

Und für alle anderen: www.designmeile-berlin.de